* 10.11.1977. Michail Loščinin wurde in Moskau geboren, verbrachte seine Kindheit in der Ukraine und erhielt 2008 die belgische Staatsbürgerschaft. Vor seiner Festnahme lebte er in Deutschland und arbeitete als IT-Spezialist in Luxemburg.
Im Juli 2025 reiste er mit dem Motorrad nach Russland, um seinen kranken Vater in Sankt Petersburg zu besuchen. Beim Grenzübertritt zwischen Lettland und Russland beschlagnahmten Beamte seinen Pass und sein Telefon. Als er nach Wasser fragte, boten die Grenzbeamten an, ihn in einen Laden zu fahren. Auf dem Weg wurde Loščinin überwältigt und wegen „illegalen Grenzübertritts“ festgenommen. Wahrscheinlich fiel er den Beamten auf, weil sich auf seinem Telefon Nachrichten mit Personen in der Ukraine befanden.
Erst drei Tage später konnte Loščinin seine Mutter darüber informieren, dass er auf eigene Kosten in einem Grenzhotel unter Aufsicht gehalten werde und Mitarbeitende des Inlandgeheimdienstes seinen Pass, sein Telefon und die Motorradschlüssel beschlagnahmt hätten. Einen Anwalt konnte er erst einen Monat später sehen. Am Tag darauf wurde er an einen unbekannten Ort gebracht. Später stellte sich heraus, dass er zunächst in Untersuchungshaft in Staryj Oskol in der Region Belgorod festgehalten wurde. Dort soll er zusammen mit ukrainischen Kriegsgefangenen unter Folter und Misshandlungen gelitten haben. Anschließend wurde er in Untersuchungshaft nach Pskov verlegt.
Loščinin wird vorgeworfen, 30 € an eine Bekannte in der Ukraine überwiesen zu haben. Die Ermittlungsbehörden werten dies als Hochverrat. Ihm droht lebenslange Haft.
Loščinin und seine Familie erklärten, dass die Überweisung privaten Zwecken diente. Nach Einschätzung des Menschenrechtszentrums Memorial waren sowohl die Entführung als auch die Freiheitsbeschränkung von mehr als einem Monat ohne richterliche Entscheidung rechtswidrig. Das Strafverfahren ist Teil einer staatlichen Praxis der Repression, im Rahmen derer zahlreiche Personen wegen Spenden an ukrainische Stiftungen oder einzelne Ukrainer:innen wegen Hochverrats inhaftiert werden.
Weitere Schreibweise des Namens: Михаил Лощинин (RU)